[Das Unwissen der Zahlenhungrigen ist das Brot der Meinungsforscher]

Wahlprognosen sind

Zahlen-
Prostitution

[F. Ulmer]

Prof. Dr. F. Ulmer

"Wahlprognosen sind keine Orientierungshilfe, sondern bewußte Täuschung. Ergebnisse von Umfragen werden systematisch abgeändert."

Meinungsforscher reagieren auf diese Kritik allergisch. Mit einer Klage auf 500000 Mark Buße oder zwei Jahre Gefängnis sollte Statistik-Prof. Ulmer mundtot gemacht werden. Doch die Klägerin - die Prozentzahlen- Schmiede des Politbarometers vom ZDF - blitzte 1997 vor dem LG und OLG Hamburg ab.

Mit der Sonntagsfrage "Wie würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre?" geben die Meinungsforscher vor, das Auf und Ab der Parteien zu verfolgen. Die publizierten Zahlen beinhalten aber meist nicht die aktuellen Umfrageresultate, denn diese sind unbrauchbar und wandern in den Müll. Das wird vertuscht. Das Strickmuster für Prognosen basiert auf der bisherigen Stabilität: Wahleresultate werden fortgeschrieben und als neue Umfrageergebnisse deklariert. Das Pferd wird buchstäblich am Schwanz aufgezäumt:

Anstatt den Ausgang der nächsten Wahlen
mit der aktuellen Umfrage vorauszusagen,
wird der Ausgang der aktuellen Umfrage
mit alten Wahlergebnissen vorausgesagt!

Die Fortschreibung führt dazu, dass Meinungsforscher (und Medien) weitgehend übereinstimmende Zahlen liefern. Doch der Schein trügt. Gerät die politische Landschaft unvermittelt in Bewegung, dann führt dies zu Fehlprognosen. Das geschah im Superwahljahr 2004 reihenweise und erreichte nach Schleswig-Holstein mit der Bundestagswahl 2005 einen ersten Höhepunkt.

Eine Woche vor der Bundestagswahl 2009 bekamen die Orakel kalte Füsse und hissten die weiße Fahne. Bettina Schausten im ZDF-Politbarometer und Jörg Schönenborn im ARD-DeutschlandTrend verkündeten:

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