Ihr Wahrzeichen waren
Wahl- Prognosen
Prof. Dr. Dr. h.c. E. Noelle-Neumann
ist im März 2010 93-jährig gestorben
Sie war während Jahrzehnten Deutschlands
bekannteste Meinungsforscherin. Auf dem
Höhepunkt ihrer Karriere verkündete sie:
"Zwischen dem, was wir an Rohergebnissen erhalten
und dem, was wir als Prognose publizieren, liegt manchmal eine Differenz
von zehn oder elf Prozent."
(Mit Rohergebnissen sind die Antworten der Befragten gemeint)
Rheinischer Merkur, 11.09.1987 Sonderbeilage Demoskopie
Das Abändern von Umfrageergebnissen bezeichnete sie
als "Gewichtungs-Kunst". Diese Vorgehensweise war heftig umstritten,
weil sie dem potentiellen Missbrauch Tür und Tor öffnete. Heute
werden zur Sonntagsfrage "Wie würden Sie wählen, wenn
am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre?" nur noch
Tipps von Meinungsforschern veröffentlicht.
Einzig im ZDF-Politbarometer sind die tatsächlichen
Antworten unter der Bezeichnung "Politische Stimmung" noch erkennbar.
Bis 1985 wurden im ZDF unverfälschte Zahlen zur Sonntagsfrage veröffentlicht.
Die CDU setzte dann 1986 durch, dass auch im ZDF-Politbarometer falsche
Zahlen veröffentlicht wurden. Sie laufen unter dem Pseudonym Projektion:
"Wenn am nächsten Sonntag tatsächlich Bundestagswahl
wäre ..."
|
![[Das Unwissen der Zahlenhungrigen ist das Brot der Meinungsforscher]](img/Grafik Unwissen1.jpg) |
Wahlprognosen sind
Zahlen- Prostitution
Prof. Dr. F. Ulmer
"Wahlprognosen sind keine Orientierungshilfe, sondern
bewußte Täuschung. Ergebnisse von Umfragen werden von Demoskopen
abgeändert, weil sie diesen nicht trauen. Ihre Zahlen sind in Wirklichkeit
Tipps, die als Umfrageresultate getarnt sind!"
Zwischen Umfragen und Wahlresultaten klaffen oft Welten,
was nicht publik gemacht wird. Wegen der Auswirkungen auf das kommerzielle
Umfragegeschäft können Meinungsforscher nicht eingestehen, dass
sie ihren Umfrageergebnissen vor Wahlen nicht über den Weg trauen
und sich für Prognosen auf ihr Bauchgefühl verlassen. Methodenbedingte
Ungenauigkeiten werden so kaschiert und kommerziellen Auftraggebern Sand
in die Augen gestreut. Es ist pervers, aber eine Tatsache, dass die relative
politische Stabilität Deutschlands - von einer Wahl zur nächsten
ändert sich meist wenig - zum "Leistungsnachweis" für
die Meinungsforschungsindustrie umfunktioniert wurde.
Meinungsforscher reagieren auf diese Kritik allergisch.
Mit einer Klage auf 500000 Mark Buße oder zwei Jahre Gefängnis
sollte Statistik-Prof. Ulmer mundtot gemacht werden. Doch die Klägerin
- die Prozentzahlen-Schmiede des ZDF-Politbarometers - blitzte 1997 vor
dem LG und OLG Hamburg ab.
|
 |
Mit der Sonntagsfrage
"Wie würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl
wäre?" geben die Meinungsforscher vor, das Auf und Ab der Parteien
zu verfolgen. Die publizierten Zahlen beinhalten aber nicht die aktuellen
Umfrageresultate, denn diese sind methodenbedingt grossen Schwankungen
unterworfen. Das wird vertuscht. Geschäftsgrundlage ist die bisherigen
Stabilität. Das Strickmuster für Prognosen ist Kontinuität.
Wahleresultate werden Pi mal Daumen fortgeschrieben
und als neues Umfrageergebnis deklariert. Das Pferd wird buchstäblich
am Schwanz aufgezäumt:
Anstatt
den Ausgang der nächsten Wahlen
mit der aktuellen Umfrage vorauszusagen,
wird der Ausgang der aktuellen Umfrage
mit alten Wahlergebnissen vorausgesagt!
Die Fortschreibung
führt dazu, dass Meinungsforscher weitgehend übereinstimmende
Zahlen liefern. Doch der Schein trügt. Gerät die politische
Landschaft unvermittelt in Bewegung, dann führt dies zu Fehlprognosen.
Das geschah im Superwahljahr
2004 reihenweise und erreichte mit der Bundestagswahl
2005 einen ersten Höhepunkt.
Kurz vor der
Bundestagswahl 2009 bekamen die Orakel kalte
Füsse und hissten die weiße Fahne. Bettina Schausten im
ZDF-Politbarometer und Jörg Schönenborn im ARD-DeutschlandTrend
erklärten augenzwinkernd:
Vor der Landtagswahl in NRW am 9. Mai
2010 wurde das bekräftigt. Die neuen Zahlen seien zwar der letzte
Schrei aus dem ZDF und der ARD, aber keine ernst zu nehmende Prognose.
Der Wahlausgang - Verlust von 10% für die CDU - bestätigte dies
einmal mehr. Ein solches Fanal war Rüttgers & Merkel in keiner
Umfrage an die Wand gemalt worden.
[Impressum]
[Kontakt]
|