[Das Unwissen der Zahlenhungrigen ist das Brot der Meinungsforscher]

Wahlprognosen sind

Zahlen-
Prostitution

[F. Ulmer]

Prof. Dr. F. Ulmer

"Wahlprognosen sind keine Orientierungshilfe, sondern bewußte Täuschung. Ergebnisse von Umfragen werden systematisch abgeändert. Die publizierten Zahlen sind Tipps, die als Umfrageergebnisse getarnt sind."

Zwischen Umfrageresultaten und Wahlergebnissen klaffen oft Welten, was unter dem Deckel gehalten wird. In ihrer Not digitalisieren Demoskopen ihr Bauchgefühl.

Meinungsforscher reagieren auf diese Kritik allergisch. Mit einer Klage auf 500000 Mark Buße oder zwei Jahre Gefängnis sollte Statistik-Prof. Ulmer mundtot gemacht werden. Doch die Klägerin - die Prozentzahlen-Schmiede des Politbarometers vom ZDF - blitzte 1997 vor dem LG und OLG Hamburg ab.

 

Wahlprognosen in Deutschland


 

 

Wahlprognosen in der Schweiz

Umfragen vor Wahlen und Abstimmungen werden vom Schweizer Fernsehen seit Menschengedenken bei Claude Longchamp in Auftrag gegeben. Um den überrissenen Forderungen des SF zu genügen, spielt er den Gaukler, der auf einer Sonnenuhr Sekundenbruchteile abliest. Nicht auf einem Jahrmarkt, sondern in der Tageschau und in 10vor10.

 

Die beiden leben eine glückliche Symbiose. Longchamp benützt das Schweizer Fernsehen als Megaphon und Goldgrube und er liefert ihm Feuerwerk und Petarden in Wahlkampfzeiten. Wie er seine Zahlen fabriziert, ist seit jeher sein Geheimnis. Das Schweizer Fernsehen fragt nicht danach. Müsste er seine gesamten Datensätze offen legen, würde für jedermann klar, was Insider schon lange wissen: Die im SF zur Schau gestellten Zahlen sind primär Tipps, die als Umfrageergebnisse getarnt sind. Longchamp digitalisiert sein Bauchgefühl, wie das in der Branche seit Noelle-Neumann gang und gäbe ist.

Die Zeche für den Kuhhandel bezahlen jene, die auf den Zahlenzauber herein fallen. Dazu gehört auch die Landesregierung. Bundesrat Leuenberger führte im Nationalrat am 7.12.2009 aus:

"Auch der Bundesrat hat im Fall der Minarett-Initiative die Differenz zwischen Umfrage und Realität mit Erstaunen zur Kenntnis genommen und er erachtet sie angesichts der Tragweite von Abstimmungs-Ergebnissen als staatspolitisch gravierend".



  

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