Ein Blick hinter die Kulissen der Prozentzahlen-Schmiede gfs.bernStalin hat einmal gesagt, es sei nicht so wichtig, wie das Volk wählt. Wichtig sei, wer zählt. Das sieht das Schweizerische Fernsehen (SF) genau so. Bei den von ihm veranstalteten Probeabstimmungen vor Wahlen zieht Claude Longchamp als gestandener Zählmeister die Strippen. Qualifiziert für dieses hohe Amt ist er durch einen Bubentraum. Er erzählt diesen in seiner Stadtwanderer-Autobiographie "Ich stelle mich vor": Er träumte davon Mathematik und Physik studieren, um auf den Mond zu fliegen. Er liess es dann aber sein und wurde Historiker. Später konvertierte er zur Demoskopie und wurde Kommandant und Aktionär der Prozentzahlen-Schmiede gfs.bern. Auf diese gerade Weise wurde er zum festinstallierten SF-Zählmeister. Nachkontrolle Anders als bei Stalin wird in der Schweiz nachgezählt, was Claude Longchamp öfters sauer aufstösst. Denn die Differenzen zwischen Probeabstimmungen (alias Meinungsumfragen) und Abstimmungsresultaten sind augenfällig, zuletzt bei der AHV-Abstimmung über ein vorgezogenes Rentenalter ohne finanzielle Einbusse. Zehn Tage vor dem Urnengang hatte er ein Kopf-an-Kopf-Rennen ausgerufen, aber das Volk schickte die Vorlage mit 58% zu 42% bachab. Bei der Abstimmung über einen neuen Gesundheitsartikel tippte er auf 39% Ja und 45% Nein, das Volk aber kippte die Vorlage mit fast 70% zu 30%. Bei der Unternehmenssteuer-Reform tippte er auf 46% Ja und 31% Nein, stattdessen gab es eine Zitterpartie. Wie immer versucht er sich damit zu trösten, dass Umfragen keine Prognosen seien, sondern Wasserstandsmeldungen kurz vor der Flut. Dieses Missverständnis sei nicht ihm, sondern dem Gemütszustand des Zuschauers anzulasten. Demoskopische Gaukler Bei der Nationalratswahl im Oktober 2007 kam die SVP auf 29% anstatt 27,3% wie von Claude Longchamp vorausgesagt, die SP auf 19,5% anstatt 21,7%. Hätte er seinen Bubentraum verwirklicht und eine Anfänger-Vorlesung in Statistik besucht - und verstanden -, dann würde er sich heute mit Abweichungen von nur +1,7% bzw. -2,2% wunschlos glücklich schätzen. Stattdessen begründete er diese "gewaltigen" Abweichungen mit politischen Ereignissen - den Krawallen in Bern kurz vor der Wahl. Dabei beträgt bei seinen Umfragen die unvermeidliche statistische Fehlerbreite allein über +/- 4%! Mit einer Nachwahlbefragung versuchte er zu beweisen, dass nach den Krawallen der SVP-Anteil auf über 30% emporgeschnellt sei. Seine Umfragedaten zeigen exakt das Gegenteil: Vor den Krawallen kam die SVP auf 29,8%, nachher auf 28,1%! In der Abendserie "Wahlbarometer" vor den Wahlen 2007 haben das SF und Claude Longchamp mit Hilfe von Nachkommastellen und deren Beweihräucherung die halbe Schweiz und die ganze classe politique zum Aberglauben erzogen, man könne Parteistärken auf Promille genau messen. Ihr Tun erinnert an Gaukler, die auf Sonnenuhren Sekundenbruchteile ablesen.
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Was das SF dem Zuschauer vorgaukelt![]() Das SF verkündete: " Die Gegner holen laut SRG-Umfrage auf!". .... "Noch Ende Dezember hätten 49% Ja oder eher Ja gesagt, nun sind es 50%. Nein oder eher Nein sagten im Dezember noch 40%, heute sind es 43%. Die Zahl der Unentschlossenen ist von 11% auf 7% gesunken". Das ist reine Augenwischerei. Denn unter der Grafik wird mikroskopisch klein ein Fehlerbereich von +/- 3% eingeräumt. Folglich lag der Nein-Anteil im Dezember nicht bei 40%, sondern irgendwo zwischen 37% und 43%, und im Januar nicht bei 43%, sondern zwischen 40% und 46%. Es ist also möglich, dass die Gegner nicht aufgeholt, sondern verloren haben, z.B. von 43% auf 40%. Genau so ist es offen, ob die Befürworter bzw. die Unentschlossenen zu- oder abgenommen haben. Das SF suggeriert, die Stimmberechtigten seien gefragt worden, ob sie Ja (oder eher Ja), bzw. Nein (oder eher Nein) stimmen würden, oder ob sie noch unentschlossen wären. Das ist falsch. Die gestellten Fragen lauteten anders und die Antworten enthüllen ein Bild, das nichts mit der obigen Grafik zu tun hat. Damit werden die publizistischen Leitlinien des SF bzw. die Vorschriften des Branchenverbandes vsms verletzt, welche die Offenlegung des Kernwortlautes bzw. die wörtliche Frageformulierung verlangen. Die tatsächlichen ErgebnisseQuelle: Fotomontage von A. Maksyagin der Ergebnisse
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Die niedrige Wahlbeteiligung - meist unter 50% - ist der Albtraum jedes CH-Demoskopen. Wie soll er herausfinden, ob ein Stimmberechtigter zur Urne geht, und wie er abstimmt, wenn dieser es selber noch nicht weiss? Dazu werden ihm zwei Fragen gestellt. Mit der ersten - "Würden Sie selber an dieser Abstimmung bestimmt teilnehmen, eher teilnehmen, eher nicht teilnehmen oder bestimmt nicht teilnehmen?"- soll seine Stimmfreudigkeit gemessen werden. Nur wenn der Befragte mit "bestimmt teilnehmen" antwortet - im Dezember waren dies 48% und im Januar 46% -, wird er als "Wähler" eingestuft. Das Votum, das Vielen auf den Zunge liegt - nämlich "weiss nicht" - wird durch die Fragestellung bewusst ausgeschlossen! Manipulation des Ja- und des Nein-Lagers Mit der zweiten Frage - "Wenn morgen schon über die Personenfreizügigkeit abgestimmt würde, wären Sie dann bestimmt dafür, eher dafür, eher dagegen oder bestimmt dagegen?" - wird die Möglichkeit gar nicht geboten mit "unentschlossen" zu votieren. Nur wenn der Befragte schweigt oder unbotmässig sagt "weiss nicht", wird er von Claude Longchamp als "unentschlossen" verbucht. Damit kommt klar die Absicht zum Ausdruck, die Zahl der Unentschlossen künstlich zu verkleinern. Es ist legitim, Befragte mit dezidierter Meinung "bestimmt dafür" oder "bestimmt dagegen" dem Ja- oder Nein-Lager zuzuordnen. Es ist aber unseriös Stimmberechtige, denen er ein "eher ja" bzw. "eher nein" abgeluchst hat, als Ja- bzw. Nein-Sager zu verbuchen. Denn so wird der fundamentale Unterschied zwischen unsicheren Kantonisten und Festentschlossenen verwischt und es werden Zahlen fabriziert, die an der Realität vorbeigehen. Und die Moral von der Geschichte Das Ziel von gfs.bern & SF ist es, mit "exakten" Zahlen aufzuwarten. Dabei fällt unter den Tisch, dass nur von wenigen Stimmberechtigten zuverlässige Aussagen vorliegen. Dem Zuschauer wird verheimlicht, dass 70-80% der Stimmberechtigten unsichere Kantonisten oder "Nichtwähler" sind, und dass nur 20 bis 30% eine gefestigte Meinung haben. Wenn ihm dies offenbart würde, wäre es ihm von vorneherein klar, dass der Ausgang der Abstimmung offen ist und die Umfrage wertlos war. Die 20-30% Festentschlossenen dürften Claude Longchamp an der Urne die Stange halten. Aber den 54% "Nichtwählern" ist es unbenommen, trotzdem an die Urne zu gehen und nach Herzenslust abzustimmen. Auch die unsicheren Kantonisten haben keinen Grund so zu stimmen, wie er sich das ausgemalt hat. Da diese beiden Gruppen 70-80% ausmachen, bergen sie ein enormes Fehlerpotential und können ihm einen dicken Strich durch seine Milchmädchenrechnung machen. Die rein statistische Fehlerbreite von +/-4% ist ein Pappenstiel dagegen.
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